Historie
Kaum eine andere Epoche der Neuzeit kann heute als ähnlich wichtig für das Selbstverständnis von Frauen angesehen werden wie die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts: Erstmals in der Geschichte der Menschheit ergriffen bürgerliche Frauen aus eigenem Impuls Berufe außerhalb der Familie, die ihnen nicht nur ein eigenes Einkommen sichern, sondern vor allem ihren persönlichen Interessen und Begabungen entsprechen sollten.
Die vier Malerinnen - drei Französinnen und eine Amerikanerin - lebten und arbeiteten hauptsächlich in Paris, der damaligen Kunsthauptstadt Europas. Paris im Zweiten Kaiserreich unter Napoleon III. war ein Ort, an dem sich die kreativsten Köpfe der Nation versammelten, von Schriftstellern wie Charles Baudelaire, Stéphane Mallarmé und Émile Zola bis zu Vorreitern der Kunst der Moderne wie Eugène Delacroix oder Gustave Courbet. Auf allen Gebieten wurde diese Stadt zum Symbol des Neuen - vom Bau repräsentativer Boulevards bis zur rasanten Entwicklung von Industrie und Wirtschaft. Große Weltausstellungen sowie moderne Straßenbeleuchtung machten Paris weltweit berühmt und zum Inbegriff von Kultur und Modernität.
Für Frauen galten jedoch die neuen Möglichkeiten des modernen Lebens in Paris nur bedingt: Anders als für ihre männlichen Kollegen waren für sie viele Orte des Alltags nicht zugänglich, denn unverheiratete bürgerliche Frauen mussten das Haus immer in Begleitung verlassen und durften öffentliche Cafés, Restaurants und Theater nicht alleine betreten, ohne ihren guten Ruf zu verlieren. Ihr Reich war das Haus, der Garten und das familiäre Umfeld, das sich erstmals auch in der Kunst des Impressionismus spiegelt, und zwar sowohl in den Arbeiten der männlichen wie der weiblichen Künstler. Viele Frauen des gehobenen Bürgertums malten oder musizierten bis zu ihrer Heirat, doch es gehörte sowohl ein starkes Durchsetzungsvermögen als auch eine gewisse Bereitschaft zu persönlichen Opfern dazu, um sich innerhalb dieser engen Grenzen als professionelle Künstlerin zu behaupten.
Die vier Künstlerinnen Morisot, Cassatt, Gonzalès und Bracquemond waren Pionierinnen, charakteristisch für die meisten Künstlerinnen ihrer Epoche und stellvertretend für viele andere, deren Werke bis heute in den Depots von Museen und in Privatsammlungen auf ihre Wiederentdeckung warten.


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